Laborpraxis ·

Aliquotieren von Peptidlösungen

Ein Aliquot pro Versuchstag, einmal auftauen, Rest verwerfen. Warum diese Regel den größten Einzelbeitrag zur Reproduzierbarkeit leistet.

Hinweis: Dieser Beitrag fasst publizierte Forschung zusammen. Er ist keine Anwendungsempfehlung und keine medizinische Information. Unsere Produkte sind ausschließlich für Forschungs- und Laborzwecke bestimmt.

01 Stammlösung ansetzen 02 Tagesportionenabfüllen 03 Beschriften 04 Bei −20 °C einfrieren AUFTEILEN STATT WIEDERHOLT AUFTAUEN

Das Problem, das Aliquotieren löst

Eine Stammlösung, die zwanzigmal aus dem Gefrierschrank geholt, aufgetaut, angestochen und wieder eingefroren wird, ist am Ende nicht mehr dieselbe Lösung wie am Anfang. Drei Mechanismen wirken dabei zusammen: Gefrier-Tau-Belastung, Kontaminationseintrag bei jeder Entnahme und Konzentrationsverschiebung durch Verdunstung.

Aliquotieren ersetzt zwanzig Zyklen durch einen einzigen pro Portion.

Wie groß eine Portion sein sollte

Die Regel lautet: eine Portion pro Versuchstag. Der Bedarf eines Tages plus etwa 20 % Reserve für Totvolumen in Spritze und Kanüle sowie für Verwurf beim Spülen. Warum dieser Aufschlag nötig ist, erklärt Totvolumen und Adsorption.

Wer unsicher ist, portioniert kleiner. Ein ungenutztes kleines Aliquot kostet wenig; ein zu großes zwingt entweder zum Verwerfen oder zum zweiten Auftauen.

Der Ablauf

  1. Direkt nach dem Lösen aufteilen, nicht später. Die Belastung beginnt mit dem ersten Auftauen, nicht mit dem Lösen.
  2. Sterile Leervials oder geeignete Reaktionsgefäße vorbereiten und vorher beschriften – auf einem gefrorenen Gefäß hält kein Stift.
  3. Gleichmäßig abfüllen, ohne Schaum zu erzeugen. Die Pipette an der Gefäßwand ansetzen.
  4. Gefäße möglichst voll befüllen, um den Kopfraum klein zu halten. Sauerstoff im Kopfraum beschleunigt bei Semax die Methionin-Oxidation.
  5. Einfrieren bei −20 °C oder kälter, aufrecht und lichtgeschützt.

Was auf das Etikett gehört

Ein Aliquot ohne vollständige Beschriftung ist in sechs Wochen nicht mehr verwendbar, weil niemand mehr weiß, was darin ist. Sechs Angaben:

  • Substanz – ausgeschrieben, nicht als Kürzel. „NA-Semax” und „NASA” verwechselt man leichter, als man denkt.
  • Konzentration – mit Einheit
  • Lösungsmittel – Wasser, bakteriostatisches Wasser oder Puffer
  • Chargennummer – die Brücke zum Analysezertifikat
  • Datum des Lösens
  • Kürzel der Person, die angesetzt hat

Mehr dazu unter Beschriftung und Dokumentation.

Aufbewahrung

Aliquots einer Charge gehören zusammen, aufrecht und lichtgeschützt. Eine Vial-Aufbewahrungsbox mit beschriftbarem Raster verhindert, dass Portionen aus verschiedenen Ansätzen durcheinandergeraten.

Wer mehrere Reihen parallel führt, notiert zusätzlich, aus welchem Ansatz eine Portion stammt. Spätestens beim Nachvollziehen eines auffälligen Messwerts zahlt sich das aus.

Beim Verbrauchen

Ein Aliquot wird herausgenommen, bei 2–8 °C oder auf Eis aufgetaut – nicht bei Raumtemperatur und schon gar nicht im Wasserbad –, kurz geschwenkt, verwendet und der Rest verworfen. Zurückgeführt wird nichts. Wie lange angebrochene Lösungen überhaupt nutzbar sind, steht unter Lagerung und Stabilität.

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Häufige Fragen

Wie groß sollte ein Aliquot sein?

So groß wie der Bedarf eines Versuchstags, plus etwa 20 % für Totvolumen. Lieber zu viele kleine als zu wenige große Portionen.

Kann ich ein aufgetautes Aliquot wieder einfrieren?

Besser nicht. Jeder Zyklus belastet das Peptid. Ein Aliquot wird einmal aufgetaut und der Rest verworfen.

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