Überblick
Semax ist ein synthetisches Heptapeptid mit der Sequenz Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro. Die ersten vier Aminosäuren entsprechen dem Abschnitt 4–7 des adrenocorticotropen Hormons (ACTH). Das angehängte Tripeptid Pro-Gly-Pro soll die Stabilität gegenüber Peptidasen erhöhen. In der Literatur wird Semax meist als Analogon des Fragments ACTH(4–10) bezeichnet. Entwickelt wurde es am Institut für Molekulargenetik der Russischen Akademie der Wissenschaften, von dem bis heute der größte Teil der Publikationen stammt.
Forschungsstand
- Neurotrophe Faktoren in vivo. Nach einmaliger Gabe stieg in Ratten der BDNF-Proteingehalt im Hippocampus um bis zum 1,4-Fachen, die Phosphorylierung des BDNF-Rezeptors TrkB um das 1,6-Fache (Dolotov et al. 2006, PMID 16996037). Im basalen Vorderhirn, nicht aber im Kleinhirn, war BDNF drei Stunden nach Gabe erhöht. Membranen dieser Region zeigten spezifische, calciumabhängige Bindungsstellen für markiertes Semax (KD ≈ 2,4 nM; PMID 16635254).
- Genexpression in Zellkultur. In Gliazellen aus dem basalen Vorderhirn neugeborener Ratten stiegen die mRNA-Spiegel von BDNF und NGF 30 Minuten nach Zugabe um das Acht- bzw. Fünffache (Shadrina et al. 2001, PMID 11457573).
- Transkriptom nach Ischämie. In einem Rattenmodell der fokalen zerebralen Ischämie veränderte Semax vor allem die Expression von Genen des Immunsystems (Immunglobuline, Chemokine) und des Gefäßsystems (Medvedeva et al. 2014, PMID 24661604).
- Monoamine. In Nagern stieg der Serotoninmetabolit 5-HIAA im Striatum an. Die Dopaminspiegel blieben unverändert, der amphetamininduzierte Dopaminanstieg wurde jedoch verstärkt (Eremin et al. 2005, PMID 16362768).
- Enzymhemmung in vitro. Semax hemmte enkephalinabbauende Enzyme aus Humanserum mit einer IC50 von etwa 10 µM (Kost et al. 2001, PMID 11443939).
Grenzen der Datenlage
- Die meisten Arbeiten stammen aus wenigen russischen Forschungsgruppen. Unabhängige Replikationen außerhalb dieses Umfelds sind selten.
- Die Befunde betreffen überwiegend Zellkulturen und Nagermodelle. Ihre Übertragbarkeit auf andere Systeme ist offen.
- Die 2006 beschriebenen Bindungsstellen sind keinem eindeutig charakterisierten Rezeptor zugeordnet; der Wirkmechanismus gilt als nicht vollständig aufgeklärt.
- Klinische Publikationen betreffen das in Russland registrierte Arzneimittel und erscheinen überwiegend auf Russisch. Sie sind nicht auf ein Forschungsreagenz übertragbar.
Handhabung im Labor
Das Vial vor dem Öffnen auf Raumtemperatur bringen, damit sich kein Kondenswasser im Lyophilisat niederschlägt. Das Lösungsmittel an der Glaswand einlaufen lassen und durch Schwenken lösen, nicht schütteln. Für Mehrfachentnahmen ist bakteriostatisches Wasser üblich. Für Zellkulturversuche empfiehlt sich steriles Wasser oder Puffer ohne Benzylalkohol. Konzentration und Aliquotvolumen berechnet der Rekonstitutionsrechner.
Qualität
Jede Charge wird vor der Freigabe extern analysiert: Reinheit per HPLC (mindestens 99 %) und Identität per Massenspektrometrie (theoretische Masse 813,9 Da). Die Chargennummer auf dem Vial führt zum Analysezertifikat. Wie die Prüfverfahren funktionieren, steht unter Qualitätssicherung.