Analytik & Qualität ·

Massenspektrometrie und Peptididentität

Reinheit sagt, dass ein Stoff dominiert. Erst die Masse sagt, welcher es ist. Wie die Prüfung abläuft und was auf dem Zertifikat stehen muss.

Hinweis: Dieser Beitrag fasst publizierte Forschung zusammen. Er ist keine Anwendungsempfehlung und keine medizinische Information. Unsere Produkte sind ausschließlich für Forschungs- und Laborzwecke bestimmt.

813,9 m/z · Molekülion und Nebensignale

Warum die Reinheit allein nicht reicht

Ein Chromatogramm mit einem dominanten Peak beweist, dass ein Stoff die Probe bestimmt. Es beweist nicht, welcher. Zwei Peptide ähnlicher Hydrophobizität können bei identischer Retentionszeit eluieren; eine Fehlsequenz kann sauber aussehen. Die Identitätsfrage beantwortet erst die Massenspektrometrie.

Wie die Messung abläuft

Das Prinzip ist simpel: Die Probe wird ionisiert, die Ionen werden im elektrischen Feld nach ihrem Verhältnis von Masse zu Ladung (m/z) getrennt und gezählt. Bei Peptiden ist die schonende Elektrospray-Ionisation (ESI) Standard, weil sie das Molekül nicht zerlegt.

Häufig wird die MS direkt hinter die HPLC geschaltet – LC-MS. Dann liefert ein Lauf beide Informationen: das Chromatogramm mit den Flächenanteilen und für jeden Peak die zugehörige Masse. Das ist besonders nützlich, um Nebenpeaks zuzuordnen.

Gemessen gegen theoretisch

Auf einem belastbaren Zertifikat stehen zwei Massen:

Substanz Theoretisch Typisch gemessen
Semax 813,9 Da 813,8–814,1 Da
Selank 751,9 Da 751,8–752,1 Da
N-Acetyl Semax 856,0 Da 855,8–856,2 Da
N-Acetyl Semax Amidat 855,0 Da 854,8–855,2 Da

Die theoretische Masse folgt aus der Summenformel und ist nachrechenbar – wie, steht unter Molare Masse berechnen. Die gemessene stammt aus dem Gerät. Stimmen beide innerhalb der Messtoleranz überein, ist die Identität belegt.

Weicht die gemessene Masse ab, hat das eine von drei Ursachen: Die Struktur ist eine andere als angegeben, die Probe ist eine Mischung, oder das Molekül liegt modifiziert vor.

Typische Massenverschiebungen

Bestimmte Abweichungen sind so charakteristisch, dass sie sich direkt deuten lassen:

  • +16 Da: Oxidation, bei Semax typischerweise Methioninsulfoxid
  • +42 Da: Acetylierung am N-Terminus
  • −0,98 Da: Amidierung am C-Terminus
  • −18 Da: Wasserabspaltung
  • Fehlende Aminosäuremasse: Deletionssequenz aus der Synthese

Ein +16-Signal neben dem Hauptpeak ist bei Semax deshalb kein Zufallsbefund, sondern der Fingerabdruck einer teilweise oxidierten Charge. Mehr dazu unter Methionin-Oxidation.

Das Auflösungsproblem

Bei nah beieinanderliegenden Massen entscheidet die Geräteauflösung. N-Acetyl Semax (856,0) und sein Amidat (855,0) trennt rund ein Dalton auf 856 – ein einfaches Gerät kann das verfehlen. Wer zwischen diesen Varianten unterscheiden muss, sollte auf die Angabe des Gerätetyps und der Toleranz achten.

Auf dem Zertifikat

Die MS-Angabe gehört mit Chargennummer, HPLC-Reinheit, Labor und Prüfdatum auf dasselbe Dokument. Wie das Ganze zu lesen ist, erklärt Das Analysezertifikat lesen; die Zertifikate der hier geführten Chargen stehen in der COA-Bibliothek.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen HPLC und MS?

Die HPLC misst, wie rein eine Probe ist. Die Massenspektrometrie misst, welche Masse der Hauptbestandteil hat – also ob es überhaupt die richtige Substanz ist.

Wie groß darf die Abweichung sein?

Das hängt vom Gerät ab. Ein hochauflösendes Gerät liefert Abweichungen im Bereich weniger Millidalton, ein einfaches Gerät im Bereich von 0,5 Da. Entscheidend ist, dass die Toleranz angegeben ist.

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